Fastenzeit im Mittelalter


Schön, dass Du wieder da bist

 

„Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ -Hermann Hesse

 

Gerne will ich Dir im heutigen Blogartikel aufzeigen wie die mittelalterlichen Menschen mit den Speiseregeln zur Fastenzeit umgingen.

 

Dieser Artikel so als kurze Ergänzung zu meinen ausführlichen Blogartikeln zum Thema Fasten dienen und Dir aufzeigen, dass Fasten wie Du bestimmt weisst, alles andere als eine neuzeitige "Modeerscheinung" ist. Sondern, soll dieser Artikel Dir einen kleinen Einblick in die Geschichte des Fastens geben.

 

Ausführliche Informationen zum Thema Fasten, findest Du in folgenden Lifebuilders24 Blogartikeln:

 


Nun machen wir einen Sprung zurück ins Mittelalter

Nach dem Fastnachtsfeiern des Mittelalters folgte die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Diese Zeit des Fastens war seit der Spätantike ein fester Bestandteil des christlichen Festtagskalenders und diente als Busszeit, in der sich die Gläubigen intensiv auf das Osterfest vorbereiten sollten.

 

Wie das geschehen sollte, dafür hatte die Kirche genaue Regeln und Vorgaben erarbeitet.

 

Welche Gerichte waren erlaubt, welche verboten? Wieso konnten sich manche Gläubigen von den Verboten befreien lassen? Wie schaffte es die Oberschicht, ausgerechnet in der Fastenzeit sogar noch üppiger und teurer zu essen als sonst?

 


Verbotene und erlaubte Speisen

Laut den Fastenregeln des Mittelalters war den Gläubigen nur eine einzige Mahlzeit am Tag erlaubt. Diese durfte nicht aus tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukten oder Eiern bestehen.

 

Mittelalter Fastenzeit

Auch der Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden, war jedoch erlaubt. Unter anderem wurden Biber als Fische gezählt und durften deshalb verzehrt werden, was zur Folge hatte, dass der Biber einigen Orts ausgerottet wurde.

 

Nicht nur bestimmte Speisen waren verboten. Während der Fastenzeit durften auch keine Hochzeiten und andere Feste gefeiert werden. Zusätzlich herrschte ein allgemeines Tanzverbot und die Menschen waren zu sexueller Enthaltsamkeit angehalten.

 

Erlaubt war in der Fastenzeit generell der Verzehr aller pflanzlichen Produkte. Zu den klassischen mittelalterlichen Fastenspeisen zählen deshalb vor allem Mehlspeisen aus Roggen und Weizenmehl sowie Trockenfrüchte.

 

An Fleisch durften unter anderem Fische, Hühner und Gänse auf den Tisch kommen.

 


Eine Dispens zum Fasten

Nicht jeder wollte oder konnte sich an die strengen Fastenregeln halten. Um in Einzelfällen Ausnahmen von den Fastenvorgaben zu ermöglichen, konnte der Papst sogenannte Fastendispense ausgestellt werden. Das waren Schriftstücke, in denen bestimmten Personen, Personengruppen oder Regionen eine Fastenmilderung zugestanden wurden. Erleichterungen erhielten so zum Beispiel Kranke oder Frauen.

 

Ab dem 15. Jahrhundert wurden solche Fastendispense dann in immer größerer Zahl ausgestellt. So bat zum Beispiel die Reichsstadt Nürnberg beim Papst um eine Erleichterung der Fastenregeln. Denn es sei, so die Nürnberger, sehr schwierig, Olivenöl in ausreichender Menge zu beschaffen. Das glaubte man der Handelsmetropole Nürnberg am päpstlichen Hof zwar nicht, doch die Kurie erlaubte 1437 immerhin, dass die ärmeren Bevölkerungsgruppen Milchprodukte verzehren dürfen.

 

  • Als sich dann ein Jahrzehnt später Papsttum und Basler Konzil stritten, nutzten die Nürnberger Bürger das, um sich eine Fastenerleichterung für alle Stadtbewohner zu sichern.
  • 1445 erlaubte Papst Eugen IV. allen Nürnberger die Verwendung von Butter in der Fastenzeit. Seine Begründung: Nürnberg liegt acht Tagesreisen vom Meer entfernt und es gibt zu wenige Seen, um genug heimisches Öl zu produzieren.

 

Solche „Butterbriefe“, die den Verzehr von Milch und Milchprodukten erlaubten, waren im 15. Jahrhundert sehr weit verbreitet. Als Begründung wurden immer wieder das Fehlen von Olivenbäumen und die Unverträglichkeit des Olivenöls in der Bevölkerung genannt.

 

Natürlich hatten diese Erleichterungen ihren Preis. Meist mussten andere fromme Werke verrichtet werden. Damit konnten besondere Gebetsanstrengungen gemeint sein, aber auch finanzielle Zuwendungen.

 

  • In Bern konnte man sich zum Beispiel 1486 gegen eine fromme Spende für den Bau der Vinzenzkirche von manchen Fastenregeln befreien lassen.
  • 1491 erlaubt der Papst dann schließlich für die Gesamtkirche den Verzehr von Milch, Milchprodukten und Eiern in der Fastenzeit. Fleisch blieb dagegen stets verboten.

Not macht erfinderisch

In der Fastenzeit gilt der Biber als Fisch

Das Verbot tierischer Produkte machte aber auch erfinderisch. Besonders beliebt war die Nachbildung von Fleischgerichten aus erlaubten Produkten: So formten die Köche zum Beispiel einen Braten aus Fisch und gestalteten ihn so, dass er einem Schweinebraten zum Verwechseln ähnlich sah.

 

Oder wie bereits erwähnt, wurde der Biber kurzerhand als Fisch „deklariert“ und durfte gegessen werden.

 


Ungleiches Mass in der Fastenzeit

Wer es sich leisten konnte, der ass auch während der Fastenzeit sehr gut. Denn reiche Bürger konnten sich teure pflanzliche Importwaren wie Olivenöl, Feigen, Datteln, Rosinen, Reis, Mandeln und Zucker kaufen. Doch war die Verwendung solcher Lebensmittel dann überhaupt noch mit Einschränkungen verbunden?

 

Auch beim Fischkonsum gab es in der Fastenzeit große gesellschaftliche Unterschiede. Zwar wurde in fast allen Bevölkerungsschichten gerne und viel Fisch gegessen. Doch in der Oberschicht und den Klöstern herrschte in der Fastenzeit ein ziemlicher "Hang zum Sortenreichtum“.

 

Der Verzicht auf Fleisch bedeutete hier den Verzehr von teuren und importieren Fischen aller Größen und Formen.

 

Die Abrechnungen von Klosterneuburg aus dem Ende des 15. Jahrhunderts zeigen sogar, dass während der Fastenzeit eine größere Anzahl an Lebensmittel eingekauft wurde als außerhalb der Fastenzeit!

 

Beispielsweise in Österreich war im 15. Jahrhundert die exquisite Fastenküche viel teurer als die normale Fleischküche in der Nichtfastenzeit. Beim niederösterreichischen Adelsgeschlecht der Puchheimer gab man in der Fastenzeit zum Beispiel teilweise dreimal so viel für Essen aus wie in der Nichtfastenzeit!

 


Verzicht oder Fest

Die Menschen im Mittelalter erlebten die Fastenzeit sehr unterschiedlich, abhängig von ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Rang. Denn für die reiche Oberschicht war die Fastenzeit nicht unbedingt eine Zeit des Verzichtes.

 

Die Reichen konnten vielmehr gerade durch ihre sehr strenge Einhaltung der Speiseregeln ihren Reichtum präsentieren. Denn wer auf Milchprodukte und Eier verzichtet und stattdessen Olivenöl und Mandeln verzehrte, der konnte zeigen, welchen Reichtum er besass und welch frommer Gläubiger er war.

 


Zusammenfassend

„Die herrschenden Gesellschaftsschichten benutzen die Ernährung, um Wohlhabenheit zur Schau zu tragen, um ihre Überlegenheit auch auf diesem Gebiet darzutun. Der Luxus der Ernährung kommt vor jedem anderen Luxus. Reiche und Mächtige prahlen mit den Erzeugnissen, die nur sie sich leisten können.“

 

Für die ärmeren Menschen bedeutete die Fastenzeit dagegen oft tatsächlichen Verzicht. Sie liefen zudem immer wieder Gefahr, die Regeln zu brechen, wenn sie sich keinen Ersatz für tierisches Öl und Butter leisten konnten.

 

Man musste es sich eben auch leisten können, die Fastengesetze korrekt einzuhalten.

 

 

„Gesundheit hat viel mit selber ausprobieren zu tun. Wenn etwas nicht funktioniert, dann probiere etwas anders. Und wenn es hilft, dann mach mehr davon.“ -Daniel Albisser

 


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Lifebuilders24

Daniel Zürcher

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